Warum sind wir korrekt?

Ich bekomme diese Frage oft gestellt und ich habe mir daher gedacht, dass ich einfach niederschreiben sollte, wie es dazu kam.

Die Idee, korrekt zu gründen, existiert schon seit längerer Zeit. Allerdings kam sie nicht von mir, sondern von Marcel, der die Domain korrekt.ch im Jahre 2001 registrierte. Es war ihm nur noch nicht ganz klar, was er damit machen wird und benutzte sie daher als seine persönliche Spielwiese. Er tüftelte an allerlei HTML, CSS und Javascript herum und lernte so die technischen Möglichkeiten besser kennen.

Parallel dazu, lange bevor wir uns kannten, hatte ich in ähnlicher Weise mein Know-How aufgebaut und mich auf dem Gebiet weiterentwickelt. Ich habe meine ersten Gehversuche als selbständiger Freelancer im Nebengewerbe mit kleinen Aufträgen und Webseiten hinter mich gebracht. Dabei lernte ich schnell, dass es zum “führen” eines kleinen Betriebs mehr benötigt, als nur technische Fähigkeiten.

Wir wussten auch nicht so recht, wie wir das realisieren sollten.

Auch bevor Wedi (abgeleitet von seinem Nachnamen Weder) und ich uns kennenlernten, hatten wir beide schon immer das Bedürfnis, das Internet besser zu machen. Hauptsächlich taten wir dies in Eigenregie und ohne konkretes Ziel. Zwar waren wir immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, aber gefruchtet hatte nichts. Wir wussten auch nicht so recht, wie wir das realisieren sollten.

Unsere erste Begegnung hatten wir bei einer Softwareherstellerin in Vaduz im Jahre 2008. Wir waren beide als Softwareentwickler angestellt und arbeiteten am selben Projekt. Zwangsläufig ins selbe Boot geworfen, lernten wir uns, vor allem auf der technischen Ebene, näher kennen. Damals war es noch ein “Beschnuppern” und eine gewisse Distanz wurde eingehalten.

Erst nach einiger Zeit bemerkten wir, dass wir in Sachen Internet die gleichen Bedürfnisse hatten. Wir wollten das Internet “besser” machen. Was genau damit gemeint war, konnten wir damals noch nicht konkret in Worte fassen. Wir stellten immer wieder fest, dass die meisten Projekte und Webseiten viel Spielraum für Verbesserungen in technischer und organisatorischer Hinsicht boten.

Nicht nur technisch, auch privat hatten wir viele “Übereinstimmungen”, die schlussendlich zu einer Freundschaft geführt haben. Nach wie vor angetrieben vom “besseren Internet”, beschlossen wir kleine und private Projekte in unserer Freizeit zu entwickeln. Ich kann mich erinnern, dass ich damals den Vorschlag zu “korrekt” gemacht hatte. Die Idee wurde aber nicht weiter verfolgt, weil wir beide in Lohn und Brot standen und die Vorstellung der vollständigen Selbstständigkeit noch kein Thema war.

Jeden Tag knapp drei Stunden in einem Auto zu sitzen, haben mich immer wieder zur selben Frage geführt – Wozu?

Unsere Wege trennten sich, als ich beschloss, im Raum Zürich eine Stelle anzutreten. Wedi war nicht gerade begeistert, auch wenn er es nicht gezeigt hat :). Doch wie der Zufall es will, kam ich 12 Monate später wieder zurück nach Vaduz, da mir der Arbeitsweg und das Pendeln zu anstrengend waren. Jeden Tag knapp drei Stunden in einem Auto zu sitzen, haben mich immer wieder zur selben Frage geführt – “Wozu?”

Der zweite Anlauf bei der Vaduzer Softwareherstellerin erinnerte mich schnell an die Gründe, die mich zum ersten Wechsel animiert hatten. Es dauerte also nicht sonderlich lange, bis ich die Segel wieder strich und eine neue Herausforderung suchte. Auch dieses Mal hatte Wedi keine grosse Freude und dachte auch zum ersten Mal (nach über 8 Jahren) über einen Wechsel nach.

Ich begann meine Arbeit bei der Tamedia in Zürich (ja ich weiss, wieder Zürich, wieder pendeln). Man mag denken, dass ich nicht daraus gelernt habe und einfach nur naiv bin. Und ja, ich habe es mir wieder schön geredet. Allerdings lernte ich so eine komplett neue Welt kennen. Im grössten Medienhaus der Schweiz und an der Grundarchitektur der meistbesuchten Webseiten zu arbeiten, überwog meine negative Einstellung zum Thema Pendeln. Ich durfte endlich das Internet in grossem Stil “besser” machen. Meine Arbeit hatte eine massive Auswirkung.

Er machte das Internet ebenfalls in grossem Stil “besser”.

Wedi, der mittlerweile den Entschluss zum Wechseln gefasst hatte, zog es ebenfalls in die Tamedia. Zwar in der gleichen Firma, aber in einem anderenTeam, arbeitete er als Frontend-Entwickler an 20Min – der meistbesuchten Seite der Schweiz. Auch er durfte erleben, wie kleine Anpassungen grosse Auswirkungen haben können. Er machte das Internet ebenfalls in grossem Stil “besser”.

Auch hier holte mich das Thema Pendeln wieder ein. Wer hätte es gedacht? Ohne eine neue Stelle oder Idee zu haben, kündigte ich in der Tamedia und genoss meine Freizeit in vollen Zügen. Ich liess das Erlebte auf mich einwirken und reflektierte, liess Gedanken der Selbstständigkeit zu. Es war erst knapp sechs Monate später, dass ich mich wieder um einen Job bemühte. Im Vergleich zu mir, blieb Wedi tapfer und “verbesserte” weiterhin das Internet in Zürich.

Ich beauftragte einen Jobvermittler für mich die ideale Stelle zu finden. Da der Fachkräftemangel in der IT heute enorm ist, habe ich schlussendlich leichtes Spiel bei der Auswahl meines zukünfitgen Arbeitgebers. Bestätigt durch den Jobvermittler “lehnte ich mich zurück” und wartete auf Ergebnisse. Nach ca. 2 Tagen bekam ich bereits die ersten tollen Angebote. Am Ende fing ich als Head of Software Engineering bei einem ISP (Internet Service Provider) in Chur an.

Angstachelt von meinen neuen Aufgaben und der mir zugeteilten Kompetenz, warb ich zwei Kollegen ab und holte sie nach Chur, wo wir dann aus dem schönen Graubünden “besseres” Internet machten. Einer von beiden war Wedi. Vergleicht man das mit anderen Stationen in unseren Lebensläufen, wirkt es auf den ersten Blick wie ein Rückschritt. Vom Internetriesen zum fast unbekannten ISP. Aber wie sooft trügt der Schein.

In zwei Jahren Chur konnte ich viel über Planung, Organisation und Leitung erfahren. Gepaart mit den technischen Fähigkeiten, die Wedi und ich schon oft unter Beweis stellen durften, der Erfahrungen die wir in grossen und kleinen Teams, mit und ohne Führungskompetenzen sammelten und dem Gefühl, es besser zu können, fassten wir die Idee “korrekt” wieder ins Auge.

Aber erst jetzt, knapp 7 Jahre und einige Stationen später, wagten wir den Schritt.

Jeder kennt den Spruch “Wenn ich Chef wäre, dann…”. Auch wir haben diesen Spruch schon oft benutzt. Da man aber nicht einfach der Chef einer anderen Firma sein kann, entschieden wir uns für die eigene. Wie bereits oben erwähnt, gab es hin und wieder die Andeutung “korrekt” zu gründen und “korrekt” zu sein. Aber erst jetzt, knapp 7 Jahre und einige Stationen später, wagten wir den Schritt. Wir gründeten die korrekt gmbh im Mai 2015, um unseren Traum des “besseren” Internets zu realisieren.

Ein eigenes Unternehmen zu beginnen ist zwar schnell gemacht, aber es ist schwer zu halten, wenn man kein Ziel hat. Es reicht nicht aus, ein top Softwareentwickler zu sein, selbst wenn Filme wie “The Social Network” etwas anderes vermitteln. Man schlüpft täglich in verschiedene Rollen. Einmal ist man Entwickler, dann ist man Kundenbetreuer, dann Verkäufer und dann wieder die Putzfrau oder der Müllmann.

Auch wenn korrekt noch nicht lange existiert, habe ich viele andere Startups und deren Gründer kennengelernt, die sich der intriganten Vorstellung des schnellen Erfolgs hingegeben und verloren haben. Viele denken nur an die “positiven” Sachen, wie morgens ausschlafen, keinen Chef mehr zu haben, usw.. Leider vergessen viele, dass sie nun selbst verantwortlich sind und in alle anderen Rollen hineinschlüpfen müssen. Wir wollen unsere Erfahrungen und unser Wissen hier weitergeben und in transparenter Art und Weise unsere Strategien und Taktiken erläutern. Was funktioniert für uns und was nicht. Ganz einfach. Hoffentlich kann jemand etwas daraus lernen.

Auch wenn die Erfahrungen, die man macht, manchmal negativ sind und nicht immer der romantischen Vorstellung der Selbstständigkeit entsprechen, gehören sie dazu. Ebenso wie die Erfolge. Darum teilen wir unsere Erfahrungen. DAS ist unsere Vorstellung des “besseren” Internets. Wir können nur profitieren, wenn wir unser Wissen teilen und uns nicht grundsätzlich hinter der Fassade der Perfektion verstecken. Wir sind alle nur Menschen ;)

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mich auf meinem Weg begleitet haben, von denen ich lernen durfte und die ich bewundere. Ohne sie wäre ich nicht wo ich bin.

Patrick

Von "null" auf "korrekt"

Wir zeigen Dir, wie wir in den Themen Marketing, Verkauf und Web Development vorgehen und was wir dabei lernen. Zum Nachahmen empfohlen.

Patrick Matsumura
Über den Autor
Patrick Matsumura ist der CEO und Co-Founder der korrekt gmbh. Er schreibt regelmässig auf diesem Blog über die Themen Business Development, Startup-Life und Technik.
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